Vater werden trotz Krebs – ein Überblick​

Eine Krebsdiagnose kann das Leben von einem Moment auf den anderen völlig auf den Kopf stellen. Zukunftspläne, die bis eben noch feststanden, geraten dann plötzlich ins Wanken. Oft wird dabei auch die eigene Familienplanung hinterfragt: Kann ich jetzt noch leibliche Kinder haben? Wenn ja, ist dann eine Zeugung auf natürlichem Wege möglich? Worauf muss ich vielleicht schon vor Therapiebeginn achten? Und welche Möglichkeiten gibt es, meine Zeugungsfähigkeit zu erhalten? Hier findest du erste Antworten auf diese Fragen.


Wirkt sich der Krebs auf meine Zeugungsfähigkeit aus?

Nicht unbedingt. Aber es gibt Krebserkrankungen, die deine Zeugungsfähigkeit auf unterschiedliche Weise beeinflussen können. Ab der Pubertät bilden die Spermatogonien in den Hoden ständig Spermien, die zur Fortpflanzung nach der Ejakulation ihren Weg zur Eizelle der Partnerin finden müssen. Damit du ein Kind auf natürlichem Wege zeugen kannst, müssen diese in ausreichender Zahl vorliegen und eine gewisse Beweglichkeit und Form aufweisen.1
Manche Krebsarten, wie etwa der Hodenkrebs, stören die Spermatogenese direkt: Die Krebszellen verdrängen gesundes Hodengewebe, wodurch insgesamt die Spermienproduktion beeinträchtigt werden kann.2,3 Bei einem Großteil der betroffenen Männer liegt deswegen bereits bei Diagnosestellung eine eingeschränkte Fruchtbarkeit vor.4,5 Bei anderen Krebserkrankungen kann es eher aufgrund der räumlichen Nähe zu den Geschlechtsorganen zu einer Beeinträchtigung der Zeugungsfähigkeit kommen. So können Tumore im Becken durch Nervenschädigungen den Samentransport stören.6

 

Kann sich meine Krebstherapie auf meine Zeugungsfähigkeit auswirken?

Krebstherapien oder Operationen an den Geschlechtsorganen können nicht nur die Fruchtbarkeit bei Frauen, sondern auch bei Männern einschränken. Muss bei Hodenkrebs der betroffene Hoden entfernt werden, kann der verbliebene Hoden nicht immer genug Spermien produzieren, um die Zeugungsfähigkeit zu erhalten.2,3 Infolge von Operationen im Bereich des Beckens kann es zudem zu teils irreversiblen Ejakulationsstörungen kommen.5
Chemotherapien wirken sich ganzheitlich auf alle, sich schnell teilenden Zellen im Körper aus.8 Hierzu gehören auch die Spermatogonien, die für die beständige Bildung neuer Spermien verantwortlich sind.2,6 Wie genau Chemotherapien wirken und welche Auswirkungen diese auf die Fertilität haben erfährst du in unserem Artikel [Kinderwunsch und Chemotherapie – Was du dazu wissen solltest].
Auch durch eine Bestrahlung können die Spermatogonien geschädigt werden.5,7 Wenn der Beckenbereich bestrahlt werden muss, lässt sich manchmal, trotz Gonadenschutz am Hoden und genauer Planung des Strahlenfeldes, eine Streustrahlung nicht vermeiden. Wie sehr die Spermatogonien dadurch in ihrer Funktion eingeschränkt werden, hängt maßgeblich von der Strahlendosis ab.2,5,7

Welche Möglichkeiten zum Erhalt meiner Zeugungsfähigkeit gibt es?

Glücklicherweise gibt es etablierte Methoden trotz eingeschränkter Zeugungsfähigkeit leibliche Kinder zu haben.9 Welche Maßnahmen bei dir genau in Frage kommen, hängt von deiner individuellen Situation ab.7 Im Allgemeinen gilt aber die Kryokonservierung von Spermien als Standardverfahren.5 Dabei werden vor Beginn der Krebstherapie die Samenzellen gewonnen und für eine spätere künstliche Befruchtung mit flüssigem Stickstoff als Spermiendepot tiefgefroren.5,7,9,10
Sollten sich im Ejakulat keine Spermien finden oder ist eine Ejakulation nicht möglich, können kleine Gewebestücke aus dem Hoden entnommen werden. Das Gewebe wird dann mit den darin enthaltenen Spermien eingefroren.9,10 Dieses Verfahren nennt man testikuläre Spermienextraktion (TESE).2,10 Die Spermien können dann zu einem späteren Zeitpunkt aus dem Gewebe gelöst und für eine künstliche Befruchtung genutzt werden.

Vater werden – mehrere Wege können zum Ziel führen

Wenn noch Spermien gebildet werden, die Zahl und Funktionstüchtigkeit aber zu sehr vermindert sind, kann eine assistierte Befruchtung stattfinden.7 Dabei werden die zuvor abgegebenen Spermien während der fruchtbaren Tage der Partnerin direkt in deren Gebärmutter eingebracht. Man spricht dann von einer sogenannten intrauterinen Insemination (IUI).2,7
Kommt dies nicht in Frage, können die vor der Krebstherapie eingefrorenen Spermien oder ein frisches Ejakulat mit Spermien für eine künstliche Befruchtung genutzt werden. Hier kommen insbesondere die In-vitro-Fertilisation (IVF) und die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) zum Einsatz.2,7 Dafür werden der Partnerin jeweils eine oder mehrere reife Eizellen entnommen. Bei der IVF werden Ei- und Samenzellen zusammen in ein Gefäß gegeben. Dort finden die Samenzellen ohne gezielte Hilfe den Weg zu den Eizellen und können in diese eindringen.2,7 Bei der ICSI wird ein einzelnes Spermium mithilfe spezieller Instrumente direkt in eine Eizelle injiziert.2,7 Bei beiden Methoden werden die befruchteten Eizellen ein paar Tage im Brutschrank beobachtet, bevor sie in die Gebärmutter der Partnerin übertragen werden.2
Die Chancen auf ein leibliches Kind nach einer Krebserkrankung sind nicht so schlecht, wie es jetzt vielleicht für dich den Anschein haben mag. Viele junge Menschen werden nach einer Krebsbehandlung auf natürlichem Wege Eltern.2 Das zuvor angelegte Spermadepot wird nur in weniger als zehn Prozent der Fälle tatsächlich genutzt.11 Daten deuten auch darauf hin, dass Lagerungszeiten von bis zu zehn Jahren keinen wesentlichen Einfluss auf die Samenqualität haben.4 Der Einsatz kryokonservierte Spermien führt, abhängig vom Alter und anderen individuellen Faktoren der Partnerin, in etwa der Hälfte der Fälle zum Erfolg.11
 

Copyright © 2024 RoX Health. All rights reserved.