Strahlentherapie – wie wirkt sie sich auf die Fruchtbarkeit aus​

Für manch einen klingt vielleicht schon das Wort Strahlentherapie an sich bedrohlich, hört man im Alltag eher von negativen Folgen einer Strahlenbelastung. Dennoch hat die Bestrahlung in der Krebstherapie einen festen Stellenwert, denn sie kann gezielt gegen Tumorzellen eingesetzt werden. Die Frage nach möglichen Folgen für die eigene Fruchtbarkeit liegt aber trotzdem nahe. Wirkt sich die Bestrahlung auch auf Ei- und Samenzellen aus? Sind die Auswirkungen bei allen Bestrahlungsarten gleich? Gibt es Möglichkeiten, die Reproduktionsorgane zu schützen? Dieser Artikel gibt dir die grundlegenden Informationen hierzu an die Hand. 


Strahlentherapie – individuell geplant und gezielt wirksam

Bei fast jeder zweiten Krebserkrankung kommt eine Strahlentherapie (auch Radiatio oder Radiotherapie genannt) zum Einsatz.1,2 Die hierbei verwendete Strahlung ist so energiereich, dass sie das Erbgut von Zellen verändern kann. Gesunde Zellen können diese Schäden oft reparieren, Krebszellen hingegen erholen sich schlechter. Sie verlieren die Fähigkeit sich zu teilen und sterben ab.1,3 Aber nicht jede Tumorart reagiert gleich auf die Strahlentherapie. Deswegen wählen die behandelnden Ärzt:innen die Strahlendosis anhand der Strahlenempfindlichkeit des jeweiligen Tumors aus.2 Die Gesamtdosis, die für eine erfolgreiche Therapie nötig ist, wird dabei oft in mehrere Einzeldosen aufgeteilt. Dies dient der besseren Verträglichkeit und dem Schutz des gesunden Gewebes in der Nähe des Tumors.1,2
Da die Strahlung nur dort wirkt, wo sie das Gewebe mit hoher Energie trifft, wird eine Bestrahlung individuell geplant. Den Tumor soll eine hohe Strahlendosis erfassen, das umliegende Gewebe aber, soweit möglich, geschont werden.3 Zu dieser sogenannten Bestrahlungsplanung gehört auch die Wahl der Bestrahlungsart. Am häufigsten erfolgt die Bestrahlung von außen durch die Haut (perkutane Strahlentherapie oder Teletherapie). In bestimmten Fällen besteht aber auch die Möglichkeit, radioaktives Material direkt in den Tumor einzubringen (Brachytherapie) oder ein radioaktives Medikament zu verabreichen, dass sich ausschließlich im Tumor anreichert (Radionuklidtherapie) .1 Unabhängig von der Art der Therapie trifft die Strahlung in der Regel aber nur einen bestimmten, eher kleinen Teil des Körpers, weswegen man sie zu den lokalen Krebstherapien zählt.2

 

Bestrahlung und Fruchtbarkeit – der Ort ist entscheidend

Aufgrund der lokal begrenzten Wirkung der Strahlentherapie ist der Ort der Bestrahlung entscheidend für mögliche Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit.
Eine Bestrahlung der Brust hat, wie die Operation, normalerweise keinen Einfluss auf die Fertilität.4
Anders sieht es bei Tumoren im Bereich des Unterbauchs und des Beckens aus. Trotz gründlicher Bestrahlungsplanung kann es dazu kommen, dass die Eierstöcke eine geringe Strahlenmenge als Streustrahlung abbekommen und dabei Eizellen zerstört werden.5 Bei jungen Frauen und geringer Strahlendosis bleiben jedoch oft genug Eizellen für eine spätere Schwangerschaft übrig.3 Wenn sich schon im Vorfeld absehen lässt, dass die Eierstöcke direkt im Strahlenfeld liegen, können sie durch eine Operation (Ovariopexie) auch aus dem bestrahlten Gebiet hinaus verlegt werden.2,5
Auch die Gebärmutter kann abhängig von der Strahlendosis Schaden nehmen.5 Doch auch nach einer Strahlenexposition sind Schwangerschaften prinzipiell möglich. Das Risiko für Fehl- und Frühgeburten ist allerdings erhöht.5
Bei Männern kann eine Bestrahlung von Unterbauch und Becken ebenfalls Auswirkungen auf die Zeugungsfähigkeit haben, denn trotz Gonadenschutz kann Streustrahlung die Hoden treffen. Dies kann die Spermatogonien , die für die Spermienproduktion zuständig sind, vorübergehend oder auch dauerhaft schädigen.3,5 Eine Erholung der Spermienproduktion setzt abhängig von der Strahlendosis frühestens neun Monate nach Ende der Strahlentherapie ein, kann aber auch vollständig ausbleiben.5

Besondere Bestrahlungsformen und deren Auswirkung auf die Fruchtbarkeit

Dass eine Bestrahlung der Reproduktionsorgane Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben kann, scheint dir vielleicht klar. Aber dass auch eine Bestrahlung des Kopfes von Bedeutung sein könnte, mag dich überraschen: Relativ zentral im Kopf liegen der Hypothalamus, ein Teil des Gehirns, und die Hypophyse, eine etwa erbsengroße Drüse. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulation des Hormonhaushalts. Wird durch eine Bestrahlung die Funktion einer dieser beiden Strukturen beeinträchtigt, kann es zu einer Störung der Eizellreifung in den Eierstöcken oder auch der Spermienbildung in den Hoden kommen.5,6 Dies lässt sich aber in der Regel durch eine Hormonersatztherapie ausgleichen.5,6
Eine Sonderform der Strahlentherapie stellt die Ganzkörperbestrahlung dar, die bei einigen Blutkrebsformen (Leukämien) und bestimmten Lymphomen eingesetzt wird. Sie ist Teil der sogenannten Konditionierung vor einer Knochenmark- oder Stammzelltransplantation und soll neben den Tumorzellen auch das Knochenmark sowie das körpereigene Immungedächtnis vor der Transplantation funktionsunfähig machen, wodurch das Anwachsen der Spenderzellen erst möglich wird.7,8 Da der gesamte Körper von der Strahlung erfasst wird, um alle verteilten Tumorzellen zu erreichen, ist hier das Risiko für eine Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen besonders hoch.6,9

Fragen zur Familienplanung offen ansprechen

Wie du siehst, hängt der Einfluss der Strahlentherapie auf deine Fruchtbarkeit also stark von den bestrahlten Körperregionen und der eingesetzten Strahlendosis ab. Sprich deswegen deinen Wunsch, auch nach der Krebstherapie leibliche Kinder bekommen zu können, und alle damit verbundene Fragen zur Therapie früh und offen bei deinen Ärzt:innen an. So kannst du herausfinden, ob fertilitätsprotektive Maßnahmen für dich in Frage kommen, und welche Option in deiner individuellen Situation für dich die richtige ist. Frage proaktiv nach, was es für Optionen gibt. Auch unser Expert:innen-Team steht dir jederzeit zur Verfügung und unterstützt dich bei deinen individuellen Fragestellungen zu nächsten Schritten und Vorbereitungen der Beratungstermine.

 

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