Krebstherapien – Welchen Einfluss haben unterschiedliche Therapien auf die Fruchtbarkeit?​

Die Therapieoptionen bei Krebserkrankungen sind so vielfältig wie die Tumore, bei denen sie eingesetzt werden. Es gibt operative Eingriffe mit und ohne Strahlentherapie, Chemotherapien, Hormontherapien und vieles mehr.1 Vielleicht bist du gerade mit einigen dieser Optionen konfrontiert worden und fragst dich nun, was das für eine mögliche zukünftige Familienplanung bedeutet. Allgemein gilt: All diese Behandlungen haben eine große Gemeinsamkeit – sie sollen die Krebszellen bekämpfen. Aber haben sie auch Auswirkungen auf deine Chance auf (weitere) leibliche Kinder? Und wenn ja, sehen diese bei allen Therapien gleich aus? Mit diesem Artikel wollen wir dir einen ersten Überblick hierzu geben.


Therapieoptionen – Nicht alle beeinflussen die Fruchtbarkeit gleichermaßen

In der Regel folgt auf eine Krebsdiagnose bald die Frage nach der richtigen Behandlung. Die Therapie wird dabei der Krebsart, dem Erkrankungsstadium und weiteren individuellen Faktoren angepasst.1,2 Zu den häufigsten Therapieformen bei bösartigen Tumoren zählen Operationen sowie Strahlentherapie, Chemotherapie, endokrine Therapie („Hormontherapie”) und Antikörpertherapie.1,3 Auch eine Kombination dieser Therapieoptionen ist möglich.3,4
Prinzipiell unterscheidet man lokale von systemischen Therapien. Operative Eingriffe und Bestrahlungen gehören zu den lokalen Behandlungen5. Chemotherapien, endokrine Therapien und Antikörpertherapien zählt man zu den systemischen Therapien5, da sich der Wirkstoff auch über das vom Tumor befallenen Gebiet hinaus im Körper verteilt. Dies ist einer der Gründe, warum sich nicht jede Therapieform gleich auf die Fruchtbarkeit auswirkt: Manche Therapien beeinflussen nur regional einen eher kleinen Teil des Körpers, andere mehr. Dennoch solltest du unabhängig von deiner Therapie am besten schon vor Beginn der Behandlung mit deinen Ärzt:innen darüber sprechen, die Option auf leibliche Kinder offen zu halten, und auch über möglicherweise dafür notwendige fertilitätsprotektive Maßnahmen. Schauen wir uns die einzelnen Therapien einmal genauer an.

 

Operation und Bestrahlung – der Ort ist entscheidend

Art und Größe eines operativen Eingriffs hängen stark vom zu behandelnden Krebs ab. Du kannst dir sicher vorstellen, dass die Entfernung eines kleinen Brusttumors einen geringeren Einfluss auf deine Fruchtbarkeit hat, als wenn ein Teil des Uterus oder ein Hoden entfernt werden muss. Generell gilt aber: Die Operationen werden so umfangreich wie nötig, aber so schonend wie möglich durchgeführt.6 Dazu gehört auch, dass die Funktion der betroffenen Organe erhalten bleiben soll.6 Dies ist allerdings nicht immer möglich. Insbesondere Operationen im Bereich von Gebärmutter,Eierstöcken und Hoden können zu einer Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit führen.4
Neben der Operation gehört auch die Strahlentherapie (Radiatio) zu den lokalen Behandlungsformen. Wie bei operativen Eingriffen ist der Einfluss auch hier stark von der bestrahlten Körperregion abhängig. Die Strahlung wirkt nur dort, wo sie das Gewebe mit hoher Energie trifft.4 Deswegen wird eine Bestrahlung individuell geplant, damit den Tumor eine hohe Strahlendosis trifft, das umliegende Gewebe aber so weit wie möglich geschont wird.4 Dennoch können Bestrahlungen, bei denen die Eierstöcke im Strahlenfeld liegen, die Zahl der Eizellen verringern und somit die Fruchtbarkeit beeinflussen.5 Liegen die Hoden im Strahlenfeld, kann sich dies ebenfalls negativ auf die Spermienproduktion und damit auf die Zeugungsfähigkeit auswirken.4,5

Chemotherapie – Einfluss auch auf gesunde Zellen

Die Chemotherapie zählt zu den sogenannten systemischen Therapien, da der Wirkstoff über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt wird.4 Die dabei eingesetzten Zytostatika zerstören Zellen, die sich schnell teilen. Neben dem eigentlichen Ziel, den Krebszellen, können davon auch gesunde Zellen wie etwa Schleimhaut- und Haarwurzelzellen betroffen sein.4 Auch ein Einfluss auf Eizellen und das Gewebe der Eierstöcke sowie der Gebärmutter ist möglich.5 Die Spermatogonien, die im Hoden für die Spermienproduktion zuständig sind, können durch eine Chemotherapie ebenfalls geschädigt werden.4,5 Ob und wie stark die Fruchtbarkeit beeinflusst wird, hängt vom eingesetzten Medikament, Dosierung, Therapiedauer und individueller Veranlagung ab.5 Bei Frauen kommt zudem noch das Alter hinzu, da mit zunehmendem Lebensalter immer weniger Eizellen in den Eierstöcken vorhanden sind.4,5

Endokrine Therapie – Hormonwirkungen blockieren

Insbesondere bei Brustkrebs hast du vielleicht schon von endokriner Therapie oder auch “Hormontherapie” gehört. Genauer wäre eigentlich der Begriff “Antihormontherapie”, denn die eingesetzten Medikamente sollen dem Einfluss von Hormonen auf den Tumor entgegenwirken. Was steckt dahinter? Bei etwa zwei Dritteln der Brustkrebsfälle wird in der feingeweblichen Untersuchung ein positiver Hormonrezeptorstatus des Tumors festgestellt.7 Weibliche Geschlechtshormone, insbesondere Östrogen, begünstigen hier das Wachstum des Tumors.7 Bei Frauen vor der Menopause mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs wird in der Regel ein Medikament eingesetzt, das die Hormonrezeptoren auf der Oberfläche der Krebszellen blockiert. Die körpereigenen Hormone können dann das Tumorwachstum nicht weiter anregen.7
Bei der Therapie von fortgeschrittenem Prostatakrebs können ebenfalls unterschiedliche Formen der Hormontherapie genutzt werden.8 Das Prinzip ist ähnlich: Auch auf Prostatakrebszellen können sich Rezeptoren finden, die den Tumor durch die Wirkung von Testosteron, einem männlichen Geschlechtshormon, zum Wachstum anregen. Bestimmte Medikamente können diese Rezeptoren blockieren, sodass der Tumor keine weiteren Wachstumssignale durch Testosteron mehr bekommt.8 Es gibt aber auch sogenannte Hormonentzugstherapien, bei denen die körpereigene Produktion von Testosteron herabgesetzt wird.8
Es wird vermutet, dass die endokrine Therapie bei Frauen keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss auf die Fruchtbarkeit hat.5,9 Männer hingegen müssen fast sicher mit Unfruchtbarkeit mindestens für die Dauer der endokrinen Therapie rechnen.9 

 

Antikörpertherapie – zielgerichtet gegen den Krebs

Ein weiterer fester Bestandteil der Krebstherapie sind sogenannte Antikörpertherapien.10 Antikörper sind Teil des körpereigenen Immunsystems. Die eingesetzten therapeutischen Antikörper werden aber im Labor hergestellt.10 Bei der Behandlung von Krebs macht man sich zu Nutzen, dass Antikörper an ganz bestimmte Strukturen auf der Oberfläche von Tumorzellen binden können. Sie gehören somit zu den zielgerichteten Krebstherapien (“targeted therapies”).11 Ihre Wirkung kann dabei ganz unterschiedlich sein: Sie können Signalwege blockieren und damit das Tumorwachstum hemmen, das Gefäßwachstum im Tumor unterdrücken und ihn so “aushungern” oder das körpereigene Immunsystem aktivieren.10 Da Behandlungen mit Antikörpern ebenfalls zu den systemischen Therapien zählen, können sie auch auf gesunde Zellen der Reproduktionsorgane wirken. Bislang ist die Auswirkung auf die Fertilität unklar.5

 

Therapieoptionen – Nur ein erster Überblick

Vielleicht bist du nun ein wenig von all diesen Therapien und ihren möglichen Auswirkungen auf deine Chancen für (weitere) Kinder in der Zukunft überwältigt. Manche dieser Behandlungsoptionen und ihre Folgen scheinen recht einfach nachvollziehbar, andere werfen Fragen auf. Damit du tiefer in die für dich relevanten Therapiemöglichkeiten eintauchen und noch besser verstehen kannst, wie sie deine Fruchtbarkeit beeinflussen können, haben wir uns für dich die einzelnen Behandlungsformen genauer angeschaut. [Leibliche Kinder nach Operation] [Strahlentherapie – wie wirkt sie sich auf die Fruchtbarkeit aus?] [ Chemotherapie – wie wirkt sie sich auf die Fruchtbarkeit aus?]

 

Plane (d)ein Leben nach dem Krebs

Ob fertilitätsprotektive Maßnahmen für dich in Frage kommen, und welche Option in deiner individuellen Situation für dich die richtige ist, findest du am besten im Gespräch mit deinen behandelnden Ärzt:innen heraus. Frage proaktiv nach, was es für Optionen gibt. Eventuell erhältst du auch eine Überweisung zu Fertilitätsärzt:innen oder einer Kinderwunschklinik. Hier wirst du bevorzugt (sehr schnell) einen Termin erhalten, um deine Fragen und Optionen zu klären. Auch unser Expert:innen-Team steht dir jederzeit zur Verfügung und unterstützt dich bei deinen individuellen Fragestellungen zu nächsten Schritten und Vorbereitungen der Beratungstermine.

Quellen

1. https://www.krebsgesellschaft.de/basis-informationen-krebs/therapieformen.html abgerufen am 05.04.2024
2. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/therapieleitlinien-entstehung-b.html abgerufen am 05.04.2024
3. https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/gezielte-krebstherapie.php abgerufen am 05.04.2024
4. https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Kinderwunsch-und-Krebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf
5. https://register.awmf.org/assets/guidelines/015-082l_S2k_Fertilitaetserhaltung-bei-onkologischen-Therapien_2017-12-verlaengert.pdf

6. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/therapieformen/operation-bei-krebs.html abgerufen am 05.04.2024
7. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/therapie/hormontherapie.html abgerufen am 05.04.2024
8. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/prostatakrebs/therapie/behandlung-im-fortgeschrittenen-stadium.html abgerufen am 08.04.2024
9. https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/alltag/kinderwunsch/kinderwunsch-unfruchtbarkeit-ursachen.php abgerufen am 08.04.2024
10. https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/immuntherapie/monoklonale-antikoerper.php abgerufen am 08.04.2024
11. https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/immuntherapie/impfen-gegen-krebs.php abgerufen am 08.04.2024

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