Während einer laufenden Krebstherapie ist an einen normalen Alltag oft nicht zu denken. Zeit und Kraft für die anfallenden Aufgaben fehlen und in Gedanken ist man entweder noch beim letzten Arzttermin oder schon beim nächsten Krankenhausbesuch. Doch auch nach abgeschlossener Therapie können Schwierigkeiten im Alltag aufgrund von Gedächtnisstörungen, Konzentrationsschwäche und mangelnder Aufnahmefähigkeit bestehen bleiben. Hier findest du Tipps zum Umgang mit den Folgen des Chemobrains, damit du deine Aufgaben in Beruf und Familie wieder erfolgreich bewältigen kannst.

Was sind die ersten Anzeichen?

Während oder nach einer Krebstherapie kann es zu Veränderungen der kognitiven Leistungsfähigkeit kommen: Konzentration und Aufmerksamkeit nehmen ab, Gedächtnis- und Wortfindungsstörungen treten auf, komplexe Aufgaben und das Erlernen von Neuem fallen schwer. All diese Symptome des Chemobrains können für die Betroffenen sehr belastend sein1.

Fast jede Tätigkeit in Beruf oder Privatleben benötigt allerdings ein gewisses Maß an Konzentration, man muss sich über den Tag verteilt unzählige Dinge merken, auf immer neue Anforderungen reagieren, manchmal mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen und dabei noch den Überblick behalten. Betroffene spüren die Folgen des Chemobrains also jeden Tag in vielen verschiedenen Situationen.

Diesem Einschnitt in die gewohnte Leistungsfähigkeit ist man aber keinesfalls hilflos ausgeliefert. Kognitive Fähigkeiten können trainiert werden1. Schon einfachere Tätigkeiten wie das Lösen von Kreuzworträtseln oder andere Denksportaufgaben können Erfolge erzielen und helfen die grauen Zellen zu aktivieren2. Training braucht jedoch seine Zeit und spürbare Erfolge zeigen sich hierbei in der Regel nicht sofort, da die Verbesserung der geistigen Fähigkeiten auf Wiederholung der Übungen basiert3. Deshalb sind gerade für die erste Zeit praktische, einfach umsetzbare Tipps wichtig, die schnell dabei helfen können, die Aufgaben des Alltags effizient zu organisieren.

Kurzinformation
Es gibt vielfältige Hilfsmittel und Tricks, die dich im Alltag unterstützen können. Damit du den optimalen Weg findest, schreibe am besten zuerst auf, wann und welche Aufgaben dir schwerfallen. Diese kannst du erstmal grob in die zwei Kategorien, muss/möchte ich selbst machen oder kann ich abgeben, unterteilen. Auch wenn die alte Rollenverteilung bei Familie und Beruf vor der Erkrankung und Therapie gepasst hat, lohnt es sich vielleicht doch hier einmal genauer hinzuschauen und alte Muster zu hinterfragen. Für die Aufgaben, die du nicht abgeben kannst oder möchtest, überlegst du dir einzeln, wo und wie du dir eine Eselsbrücke bauen und diese platzieren kannst. Das kann die Erinnerungsfunktion vom Handy für Termine oder das Post-it an der Tür mit einer Checkliste sein, ob du den Schlüssel dabei und den Herd ausgemacht hast. Sorge vor und plane deinen Tag so gut es geht vor. Denk aber auch immer daran regelmäßige Erholungspausen und Bewegung einzubauen sowie ausreichend zu schlafen.

Welche Hilfsmittel gibt es?

Hilfsmittel, die Betroffene dabei unterstützen, trotz Symptomen des Chemobrains gut durch den Alltag zu kommen, sind keineswegs ausgefallen. Die meisten von ihnen finden sich in nahezu jedem Haushalt und sind einfach und unkompliziert einzusetzen.

Kalender

Trägt man Termine etwa konsequent in einen Kalender ein, kann man einfacher die Übersicht über zukünftige Aufgaben behalten2. Dabei können sowohl einmalige Ereignisse, wie etwa das Sommerfest des Sportvereins, oder auch wiederkehrende Termine, wie zum Beispiel die Abholung der Restmülltonne, notiert werden. Diese Methode eignet sich ebenso für die Organisation von beruflichen Aufgaben und Terminen. Ob man dabei einen Taschen-, Tisch- oder Wandkalender benutzt, hängt ganz von den eigenen Vorlieben ab.

Notizbuch

Fallen einem im Laufe des Tages Dinge ein, die man noch auf den Einkaufszettel schreiben oder in der Familie absprechen wollte, eignet sich ein einfaches Notizbuch, das man immer bei sich trägt. So hat man Platz, um alles aufzuschreiben, was nicht vergessen werden soll4. Man kann seine Notizen dabei nach Themen, nach Gesprächspartnern sortieren oder auch einfach alles hintereinander weg eintragen. So oder so hat man alle wichtigen Informationen und Ideen an einem Ort gesammelt.

Handy

Falls man aber nicht ständig Kalender und Notizbuch bei sich tragen möchte, kann man alles auch im Handy eintragen. Verschiedene Apps und Anwendungen bieten die Funktionen von herkömmlichen Kalendern und Notizbüchern. Zusätzlich kann ein Alarm oder eine Erinnerungsfunktion aktiviert werden2, sodass man automatisch auf anstehende Termine hingewiesen wird. Das Handy kann als digitaler Begleiter auch die Schritte zählen und an die Einhaltung von Pausen erinnern.

Post-It-Zettel

Aber nicht nur Alarme können als Erinnerungsstützen dienen. Hängt man einen bunten Post-It-Zettel mit einer kurzen Notiz an den Badezimmerspiegel, den Kühlschrank oder die Garderobe, liest man ihn im Verlauf des Tages nahezu automatisch5. Die Aufgabe ist frisch im Gedächtnis und kann bestenfalls direkt erledigt werden.

Was kann man sonst noch tun?

Die genannten Hilfsmittel können Unterstützung bieten, aber Kompensationsstrategien zum Umgang mit der veränderten geistigen Leistungsfähigkeit sind genauso wichtig6.

Es ist hilfreich, sich und seine Leistungskurve kennenzulernen. Gibt es Tageszeiten, an denen man sich besonders gut konzentriert kann, sollte man versuchen, genau dann besonders komplexe Aufgaben zu erledigen5. Wenn Aufgaben zu groß erscheinen, können sie oft in kleinere Teilaufgaben zerlegt werden. Diese sind schneller erledigt und ermüden nicht so stark. Außerdem kann das Erledigen von kleineren Aufgaben schneller zu einem Erfolgserlebnis führen.5

Auch Routinen und Rituale können das Gedächtnis unterstützen7. Wenn man es sich zur Gewohnheit macht, bestimmte Aufgaben immer direkt hintereinander zu erledigen, wird es unwahrscheinlicher, eine davon zu vergessen. Haben Dinge wie Lesebrille oder Autoschlüssel einen festen Platz, an dem man sie ablegt, kann man sich viel Zeit beim Suchen ersparen.

Manchmal kann es auch helfen, Tätigkeiten laut auszusprechen. Vielleicht wirkt es auf den ersten Blick seltsam, wenn man „Ich lege den Ersatzschlüssel in die oberste Schublade der Kommode.“ sagt, während man genau das tut. Durch das Aussprechen, das sogenannte Verbalisieren der Tätigkeit, werden aber weitere Teile des Gehirns aktiviert. Dadurch wird es wahrscheinlicher, dass man sich an den Ablageort des Schlüssels oder jede andere verbalisierte Aktion erinnert8.

Ruhe einkehren lassen

Egal, welche der hier genannten Hilfsmittel oder Kompensationsstrategien du einsetzen möchtest, eines solltest du immer beachten: Einschränkungen in der eigenen geistigen Leistungsfähigkeit können belasten und frustrieren. Selbst wenn es schwerfallen mag, solltest du dennoch geduldig mit dir sein, wenn es mal nicht so gut läuft. Verlange nicht zu viel von dir und freue dich auch über die kleinen Fortschritte5.

Weiterführende Informationen

Hier findest du weitere Informationen zu Ursachen und Chemobrain Symptome – oder wie macht es sich bemerkbar sowie zum Thema Gedächtnisschwäche nach Chemotherapie – Was kann ich tun? bei kognitiver Beeinträchtigung nach einer Krebstherapie.

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Quellen

  1. Országhová Z, Mego M, Chovanec M. Long-Term Cognitive Dysfunction in Cancer Survivors. Front Mol Biosci. 2021 Dec 14; 8:770413.
  2. Vardy JL, Bray VJ, Dhillon HM. Cancer-induced cognitive impairment: practical solutions to reduce and manage the challenge. Future Oncol. 2017 Apr;13(9):767-771.
  3. Klingberg T. Training and plasticity of working memory. Trends Cogn Sci. 2010 Jul;14(7):317-24.
  4. Chemobrain oder Krisenhirn. Kognitive Störungen bei Krebs – Was tun? https://www.krebs-und-ich.de/ratgeber/nebenwirkungen/artikel/chemobrain-oder-krisenhirn/, abgerufen am 19.07.2022.
  5. Stiftung Deutsche Leukämie-& Lymphom-Hilfe. Chemohirn/Krisenhirn. Konzentrationsschwäche und Gedächtnisstörung bei Krebs (2014) https://www.lymphome.ch/lymphome-wAssets/docs/Infomaterial-Broschueren-deutsch/Chemohirn_Krisenhirn-Konzentrationsschwaeche-u.-Gedaechtnisstoerung-nach-ChemDLH.pdf, abgerufen am 27.07.2022.
  6. Treanor CJ, McMenamin UC, O’Neill RF, Cardwell CR, Clarke MJ, Cantwell M, Donnelly M. Non-pharmacological interventions for cognitive impairment due to systemic cancer treatment. Cochrane Database Syst Rev. 2016 Aug 16;2016(8):CD011325.
  7. Ferguson RJ, Ahles TA, Saykin AJ, McDonald BC, Furstenberg CT, Cole BF, Mott LA. Cognitive-behavioral management of chemotherapy-related cognitive change. Psychooncology. 2007 Aug;16(8):772-7.
  8. Ferguson RJ, McDonald BC, Rocque MA, Furstenberg CT, Horrigan S, Ahles TA, Saykin AJ. Development of CBT for chemotherapy-related cognitive change: results of a waitlist control trial. Psychooncology. 2012 Feb;21(2):176-86.

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