Viele Patienten stellen schon während oder nach ihrer Chemotherapie fest, dass sie unter Gedächtnisschwäche und/ oder Konzentrationsstörungen leiden. Die gute Nachricht ist, mit unterschiedlichen Gedächtnisübungen können die Konzentration gefördert, das Gedächtnis trainiert sowie Stress reduziert werden, um nach der schweren Erkrankungszeit wieder aktiv am Leben teilzunehmen.

Kurzinformation
Beim Gedächtnistraining geht es darum, mit verschiedenen Übungen das Gedächtnis zu trainieren und gleichzeitig die Merkfähigkeit zu steigern.

Gedächtnistraining – Tipps für den Alltag ?

Die allgemeine Konzentrationsfähigkeit und die Gedächtnisschwäche können durch verschiedene alltagstaugliche Übungen selbst trainiert werden.

Wenn man sich konzentrieren möchte, sollte man soweit es geht äußere Ablenkungen meiden, um sein volles Konzentrationspotenzial auszuschöpfen. Daher ist es wichtig, sich einen optimalen Rahmen für Konzentrationsübungen zu schaffen und dafür z. B. seinen Arbeitsplatz aufzuräumen, das Handy zur Seite zu legen oder auch seiner Familie zu sagen, dass man nicht gestört werden möchte. Auch innere Ablenkungen, wie Hunger und Durst sollten entsprechend gestillt werden.1,2 Starke Gefühle können ebenfalls ablenken, lassen sich manchmal aber nicht vermeiden. Soweit möglich sollte man eine Aufgabe angehen, wenn man innerlich ruhig ist.

Sich Notizen zu machen oder fokussiert an einer Aufgabe zu arbeiten, anstatt mehrerer Dinge gleichzeitig erledigen zu wollen, können die Gedächtnisfunktion und Konzentration steigern.2 Multitasking ist zwar in vielen Situationen gewünscht oder gefordert, kann aber manchmal einfach zu viel sein und schadet im Zweifel dem Ergebnis. Sobald die Konzentration schwindet und die Gedanken abschweifen, kann eine Pause helfen die Denkprozesse zu verbessern.2
Regelmäßige Entspannung sowie Bewegung, auch in Form von Sport sind genauso hilfreich1,2, wie eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf, wenig Stress, und eine ausgewogenen Ernährung. Mit Denksportaufgaben und Kreuzworträtseln kannst du dein Gehirn regelmäßig trainieren. Auch das Ausüben eines Hobbys, beispielsweise das Erlernen einer Fremdsprache, können dir dabei helfen.1,2

Sollten jedoch all die Bemühungen nicht die gewünschte Besserung herbeiführen oder auch weiterhin Unsicherheit bestehen bleiben, gibt es die Möglichkeit sich professionelle Hilfe durch Psychoonkologen zu holen, welche kognitive Verhaltenstherapien anwenden.1,2 Zu den eingesetzten Verfahren erfährst du mehr im Abschnitt „Unterstützung durch Fachleute“.

Mit Entspannungstechniken und Bewegung die Lebensqualität steigern

Bewegung sorgt für das allgemeine Wohlbefinden auf physischer sowie psychischer Ebene. Anhand von Studien konnte gezeigt werden, dass alle möglichen Arten von Bewegung neurokognitive Einschränkungen, bedingt durch die Symptome der Krebstherapie, verbessern kann.3

Wissenschaftlich belegt ist auch, dass das regelmäßige Praktizieren von Yoga bei der Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen, Schlafstörungen sowie psychischen Belastungen bei Betroffenen mit Krebserkrankung und nach erfolgreicher Chemotherapie helfen kann.5 Durch Yoga wird das Nervensystem sowie die Muskulatur gestärkt.6 Sowohl Körper als auch Geist werden beim Yoga auf allen Ebenen angesprochen, wodurch z.B. Stressreaktionen oder auch das Immunsystem positiv beeinflusst werden können.5,6

Daneben versprechen auch verschiedene Entspannungstechniken wie autogenes Training, Meditation, Tai-Chi und Qigong die eigenen Kräfte (Resilienz) zu stärken, Stress und Ängste abzubauen und somit die Lebensqualität zu steigern.7 Zusätzlich wird bei diesen Aktivitäten die Achtsamkeit geschult, was sich wiederum positiv auf das Wahrnehmen des eigenen Körpers und der eigenen Bedürfnisse äußern kann.

Bei der Auswahl der Aktivität gibt es kein richtig oder falsch. Du solltest in jedem Fall die Bewegungsform und Entspannungstechnik wählen, die dir am meisten liegt und Spaß macht. Auch hier gilt es ein gesundes Maß einzuhalten und sich nicht zu viel Vorzunehmen. Es bringt wenig, wenn du von deiner Yoga-Stunde zum nächsten Termin hetzt. Anregungen für diese Aktivitäten und auch Kursangebote findest du in der Regel sowohl online als auch in den lokalen Sportvereinen oder Fitnessstudios. Je nach deinen Vorlieben hast du auch oft die Möglichkeit die Angebote online oder in Präsenzkursen unter Anleitung von Profis wahrzunehmen. Oft lohnt es sich auch bei der Krankenkasse nachzufragen. Viele Krankenkassen fördern verschiedene gesundheitsfördernden Maßnahmen und beteiligen sich auch an den Kosten.

Neue Ansätze aus der Forschung

Auch auf wissenschaftlicher Ebene wird der Aspekt der kognitiven Beeinträchtigung nach einer Krebstherapie weiter untersucht. Hier gibt es insbesondere zwei Projekte, die ein großes Potential haben und große Fortschritte in der Diagnose und Bewertung sowie der gezielten nicht-medikamentösen Behandlung der kognitiven Beeinträchtigung nach einer onkologischen Behandlung bedeuten könnten.

In einem Pilotprojekt wurde ein spezielles Training zur kognitiven Verhaltenstherapie, das Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsanpassungstraining (aus dem englischen: Memory and Attention Adaptation Training, MAAT) erprobt.8 Der Ansatz dieser Methode ist es, die Abweichung zwischen kognitiver Anforderung und wahrgenommener Fähigkeit zur Bewältigung kognitiver Anforderungen zu verringern.8

Hierbei werden Kompensationsstrategien und Stressbewältigungsstrategien, wie Entspannung und Selbstregulierung, entwickelt, um die eigene Aufmerksamkeit gezielt zu kontrollieren.9 Weiterhin sollen sich hier die Betroffenen in anderer, neuer Weise mit ihrer kognitiven Einschränkung befassen.9 Betroffene, welche erfolgreich die Brustkrebsbehandlung mit einer Chemotherapie abgeschlossen haben, berichteten nach einer MAAT eine leichte Verbesserung der Lebensqualität sowie der objektiv erhobenen und selbstberichteten kognitiven Symptome.9 Weitere Untersuchungen mit einer größeren Patientengruppe sind notwendig, um den Effekt und die Wirkung des MAAT-Trainings zu untersuchen.

Das zweite Projekt befasst sich mit einer computergestützten Detektion und Bewertung der kognitiven Symptome.10 Das Tool, das derzeit rein für Forschungszwecke zur Verfügung steht, besteht aus zwei Komponenten, die insgesamt 30-40 Minuten in Anspruch nehmen. In dieser Zeit werden erst anhand eines Fragebogens die wichtigsten Anzeichen und Symptome der kognitiven Beeinträchtigung durch Selbstauskunft ermittelt.

Danach folgt der standardisierte CAB-CF Test mit einer Reihe von Aufgaben in Form von Computer-basierten Spielen. Dies dient zur Beurteilung der wichtigsten neuropsychologischen Faktoren, die bei den kognitiven Symptomen des Chemobrains eine Rolle spielen. Anhand dieser Daten erstellt ein Computerprogramm einen Ergebnisbericht inklusive dem Risikoindex für das Vorliegen einer kognitiven Störung. Dieser Ansatz bietet das Potential eine Hilfestellung zur Stellung der Diagnose Chemobrain zu werden und die Wirksamkeit von medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen zur Therapie der kognitiven Beeinträchtigung zu messen.

Weiterführende Informationen

Hier findest du weitere Informationen zu Ursachen und Chemobrain Symptome – oder wie macht es sich bemerkbar sowie zum Thema Gedächtnisschwäche nach Chemotherapie bei kognitiver Beeinträchtigung nach einer Krebstherapie.

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Quellen

  1. Janna Kühne. Konzentrationsschwäche und Gedächtnisverlust unter oder nach einer Krebstherapie (2018) https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/nebenwirkungen-der-therapie/beschwerden-bei-krebstherapien-und-gegenmassnahmen/kon.html, abgerufen am 15.07.2022.
  2. Stiftung Deutsche Leukämie-& Lymphom-Hilfe. Chemohirn/Krisenhirn. Konzentrationsschwäche und Gedächtnisstörung bei Krebs (2014) https://www.lymphome.ch/lymphome-wAssets/docs/Infomaterial-Broschueren-deutsch/Chemohirn_Krisenhirn-Konzentrationsschwaeche-u.-Gedaechtnisstoerung-nach-ChemDLH.pdf, abgerufen am 22.07.2022.
  3. Zimmer et al., Effects of Exercise Interventions and Physical Activity Behaviour on Cancer Related Cognitive Impairments: A Systematic Review, BioMed Research International Volume 2016.
  4. Krebs und Sport –passt das zusammen? https://www.krebs-und-ich.de/ratgeber/bewegung/krebs-und-sport/, abgerufen am 18.07.2022.
  5. Lin et al., Yoga for the Management of Cancer Treatment-Related Toxicities Curr Oncol Rep.; 20(1): 5. doi:10.1007/s11912-018-0657-2.
  6. AOK. Den Kopf ausschalten: So können Entspannungsübungen Krebspatienten unterstützen https://www.aok.de/pk/nordwest/uebungen-krebspatienten-entspannung/, abgerufen am 18.07.2022.
  7. Anna Knüpfing. Entspannungstechniken für Krebspatienten https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebs-und-psyche/entspannungstechniken-fuer-krebspatienten.html, abgerufen am 18.07.2022.
  8. Survivor Wellness. Chemobrain Treatment https://survivorwellness.org/pages/chemobrain-treatment, abgerufen am 18.07.2022.
  9. Curetoday. Could Cognitive Behavioral Therapy Help Survivors with Chemobrain? (2013) https://www.curetoday.com/view/could-cognitive-behavioral-therapy-help-survivors-with-chemobrain, abgerufen am 18.07.2022.
  10. CogniFit. https://www.cognifit.com/de/cognitive-assessment/chemobrain-test, abgerufen am 18.07.2022.

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