Für viele Krebserkrankte stellt das Ende der Chemotherapie einen großen Meilenstein auf dem Weg zurück in den Alltag dar. Wochen- oder monatelang hat man der letzten Medikamentengabe entgegengefiebert. Wenn dieses Ziel dann endlich erreicht ist, stehen aber vielleicht auch offene Fragen im Raum: Wie geht es nach der Chemotherapie weiter? Was kommt noch auf mich zu? Kann mein Leben überhaupt wieder wie vor der Diagnose sein? Falls du dir diese oder ähnliche Fragen auch stellst, findest du hier einen Überblick über die Zeit nach der Krebstherapie.

Das wichtigste im Überblick

  • Es hängt von der Krebsart ab, wie lange die Nachsorge dauert.
  • Die Ziele der Nachsorge können individuell bestimmt werden.
  • Nachsorgetermine bieten dir Raum, um gezielt über körperliche, psychische und soziale Probleme zu reden, Sorgen zu thematisieren und dir Unterstützung für deinen Weg nach der Krebstherapie zu suchen
  • Während der Nachsorge geht es nicht nur um Linderung körperlicher, sondern auch seelischer Folgen der Krebserkrankung.

Rehabilitation – der erste Schritt zur Nachsorge

Während einer laufenden Krebstherapie haben viele Betroffene ein großes Ziel vor Augen: das Ende der Chemotherapie, das den ersten Schritt zurück in den gewohnten Alltag markiert. Es verspricht wieder ein bisschen mehr Normalität. Aber obwohl die letzte Gabe der Chemotherapie hinter einem liegt, ist die Auseinandersetzung mit der Krankheit noch nicht vorbei. Die Diagnose „Krebs“ bleibt. Wie geht es nun also weiter?

An die akute Erstbehandlung einer Krebserkrankung schließt sich eine klar strukturierte medizinische Weiterversorgung an. Dazu gehört oft auch eine onkologische Rehabilitation. Diese kann entweder direkt im Anschluss an die stationär oder ambulant erfolgte Krebstherapie stattfinden, oder erst mit einem gewissen zeitlichen Abstand zur Therapie erfolgen. Sie soll dabei helfen, die körperlichen und seelischen Folgen der Krebserkrankung zu mildern oder sie sogar vollständig zu beseitigen.1

Die Nachsorge – auch nach der Therapie in guten Händen

Nach der onkologischen Rehabilitation beginnt in der Regel die Zeit der eigentlichen Nachsorge. Sie dauert etwa so lang, wie Betroffene noch unter Folgen der Erkrankung oder der Behandlung leiden und endet meist, wenn das Risiko für einen Rückfall deutlich gesunken ist. Die Dauer beträgt in der Regel fünf Jahre.
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Nachsorgeprogramme der Krankenkassen bieten in dieser Zeit eine fortlaufende medizinische und psychosoziale Betreuung. Die Ziele der Nachsorge werden dabei zusammen mit den Betroffenen individuell festgelegt und an ihre jeweilige Lebenssituation angepasst. Zur Nachsorge gehören regelmäßige Kontrolltermine mit einem ausführlichen Arztgespräch, an das sich in der Regel eine körperliche Untersuchung anschließt.

Mit gezielten Untersuchungen soll ein möglicher Rückfall so früh wie möglich erkannt werden. Zusätzlich sollen bei diesen Terminen aber auch mögliche Begleit- oder Folgeerkrankungen festgestellt und behandelt werden. Wer an kognitiven Beeinträchtigungen wie dem sogenannten Chemobrain leidet, sollte dies ansprechen und die Minderung der Symptome als Ziel in das Nachsorgeprogramm einbezogen werden.

Die onkologischen Nachsorgetermine finden in der ersten Zeit nach der Therapie recht engmaschig statt. Je länger die Chemotherapie zurückliegt, desto größer können die Abstände zwischen den einzelnen Arztbesuchen werden – insbesondere, wenn es keine Hinweise auf einen Rückfall gibt.3 Das behandelnde medizinische Personal kann sich dafür an medizinisch-wissenschaftlichen Leitlinien orientieren, die das aktuelle Fachwissen zu unterschiedlichen Krebsarten zusammenstellen.4

Diese Orientierungshilfe kann dann auf die individuellen Risiken und Bedürfnisse der Betroffenen angepasst werden. Dazu gehört auch die Frage, wer die Nachsorge übernimmt. In der Regel kann sie sowohl wohnortnah in der Praxis eines niedergelassenen Facharztes als auch in der Ambulanz der Klinik, in der man behandelt wurde, stattfinden.2

Nachsorge heißt auch, mit der Diagnose Krebs leben zu lernen

In der Zeit der Nachsorge steht aber nicht nur der Körper im Mittelpunkt. Diagnose und Therapie einer Krebserkrankung können auch einen großen Einfluss auf die Psyche haben.5 Das gewohnte Leben verändert sich teils drastisch und das meist von einem auf den anderen Tag. Plötzlich sieht man sich mit Sorgen, Ängsten und ungeahnten Herausforderungen konfrontiert.

Manche der Befürchtungen lösen sich vielleicht schon während der Behandlungsphase auf, andere bleiben auch nach Ende der Krebstherapie bestehen. Fragen, die die Diagnose und die Behandlung betreffen, verlieren an Bedeutung. Anliegen im Zusammenhang mit dem Umgang mit Spätfolgen, der Rehabilitation und eines möglichen Rückfalls stehen mit der Zeit möglicherweise im Vordergrund.6 Die Nachsorge bietet auch dafür Raum: Sie soll bei der psychischen Krankheitsbewältigung helfen und einen Weg aufzeigen, mit der Diagnose Krebs leben zu lernen.5

Belastende Aspekte, wie Konzentrationsprobleme, Ängste oder körperliche Beschwerden sollten in den Nachsorgeterminen offen angesprochen werden.5 Dazu gehören insbesondere auch Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit. Das Behandlungsteam kann dann gezielt unterstützen, etwa durch die Kontaktvermittlung zu einer psychosozialen oder sozialrechtlichen Beratungsstelle, einer psychoonkologischen Betreuung oder einer Selbsthilfegruppe3.

Die Wahl der richtigen Anlaufstelle hängt dabei von der Art der benötigten Unterstützung ab. Gerade bei Symptomen wie Gedächtnisstörungen, verminderter Konzentration oder wenn Probleme beim Erledigen von komplexen Aufgaben auftreten, gibt es Tipps und Übungen, die Betroffene ohne viel Aufwand zu Hause umsetzen können.

Krankheitsbewältigung – Denken, Fühlen, Handeln

Die Krankheitsverarbeitung und der Weg zurück in den Alltag können sich ganz unterschiedlich gestalten. Da jeder Mensch die Erkrankung, die Therapie und die damit verbundenen Veränderungen anders wahrnimmt, stehen auch jeweils unterschiedliche Aspekte im Zentrum der Krankheitsbewältigung.7

Für den einen sind die körperlichen Veränderungen sehr belastend oder Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit stehen im Mittelpunkt, für den anderen bringen negative Gefühle und Sorgen, wie etwa die Angst vor einem Rückfall, den größten Leidensdruck mit sich, und wieder andere plagt besonders ihre möglicherweise veränderte Rolle in Beruf und Familie.

Egal, ob körperliche, psychische oder soziale Faktoren im Mittelpunkt stehen, die Krankheitsbewältigung läuft dabei jeweils auf unterschiedlichen Ebenen ab. Dazu gehören Handeln, Denken und Fühlen.

Handeln beschreibt dabei alles, was aktiv getan wird, um mit der Situation umzugehen, etwa Informationen beschaffen, Kontrolltermine wahrnehmen, Ablenkung suchen. Denken und Fühlen sind eher nach innen gerichtet und sind von der individuellen Persönlichkeit und bisherigen Erfahrungen beeinflusst. So kann als Bewältigungsstrategie zum Beispiel versucht werden, einen Sinn in der belastenden Situation zu finden, sie zu relativieren oder sie mit Humor zu nehmen. 7

Ein individueller Weg in die Zukunft

Zum Teil berichten Betroffene sogar, dass ihre Lebensqualität nach der Erkrankung besser sei als zuvor.9 Das hört sich im ersten Moment vielleicht überraschend oder sogar ein wenig unglaubwürdig an. Eine mögliche Erklärung kann aber darin liegen, dass Betroffene das Leben bewusster wahrnehmen und deswegen mehr genießen. Das zeigt, dass man auch nach der schweren, belastenden Zeit von Krebsdiagnose und Therapie nicht nur damit leben lernen, sondern sogar die vielleicht verloren gegangene Lebensfreude wiederfinden kann.9

Die individuell unterschiedliche Situation nach einer Krebstherapie sowie das unterschiedliche Empfinden der Betroffenen sorgen also dafür, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, mit der Erkrankung umzugehen. Stattdessen werden Betroffene ihren eigenen Weg finden müssen, können sich dabei aber Unterstützung aus dem privaten sowie dem beruflichen Umfeld und von ihrem Behandlungsteam holen.7

Eines gilt allerdings immer: Man sollte geduldig sein und sich nicht unnötig unter Druck setzen.8 Das mag insbesondere bei Symptomen des sogenannten Chemobrain schwerfallen, da sie den Alltag stark beeinflussen können. Betroffene sollten dennoch nicht vergessen, dass es auch hier Möglichkeiten gibt, etwas zu unternehmen.

Weiterführende Informationen

Hier findest du weitere Informationen zu Ursachen und Chemobrain Symptome – oder wie macht es sich bemerkbar sowie zum Thema Gedächtnisschwäche nach Chemotherapie bei kognitiver Beeinträchtigung nach einer Krebstherapie.

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Quellen

  1. Deutsche Rentenversicherung. Onkologische Reha. Gezielte diagnostische und therapeutische Leistungen nach der Krebserkrankung, https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Reha/Medizinische-Reha/Onkologische-Reha/onkologische-reha.html, abgerufen am 23.08.2022.
  2. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ). Nachsorge bei Krebspatienten. Was kann sie leisten, was nicht? https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/nachsorge.php, abgerufen am 24.08.2022.
  3. Deutsche Krebshilfe. Welche Untersuchungen werden bei der onkologischen Nachsorge durchgeführt? https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/onkologische-nachsorge/#c21024, abgerufen am 23.08.2022.
  4. Deutsche Krebsgesellschaft. Onkologische Leitlinien im Überblick https://www.krebsgesellschaft.de/deutsche-krebsgesellschaft-wtrl/deutsche-krebsgesellschaft/leitlinien/onkologische-leitlinien-im-ueberblick.html, abgerufen am 24.08.2022.
  5. Broschüre des Krebsinformationsdienstes: broschuere-krebs-ihr-weg.pdf
  6. Grunfeld E, Earle CC. The interface between primary and oncology specialty care: treatment through survivorship. J Natl Cancer Inst Monogr. 2010;2010(40):25-30.
  7. Deutsches Krebsforschungszentrum. Krankheitsbewältigung Belastungen verkraften, Orientierung schaffen, Lebensqualität gewinnen https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/krankheitsverarbeitung/bewaeltigung.php, abgerufen am 24.08.2022.
  8. Leitlinienprogramm Onkologie: Patientenleitlinie_Supportive_Therapie-1740018.pdf
  9. Broschüre der Niedersächsischen Krebsgesellschaft e.V.: moderne_krebstherapie.pdf

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