Chemotherapie – wie wirkt sie sich auf die Fruchtbarkeit aus?​

Kinderwunsch und Chemotherapie – Was du dazu wissen solltest


Vielleicht hast auch du aufgrund von Film und Fernsehen oder durch Erfahrungen im eigenen Bekanntenkreis ein Bild vor Augen, wenn du dir eine Person vorstellen sollst, die eine Chemotherapie bekommt. Bestimmte Nebenwirkungen, wie etwa Haarausfall, sind allgemein bekannt. Aber kann eine Chemotherapie sich auch negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken? Und wenn ja, erlebt jeder Mensch dies gleich? Antworten auf diese und noch mehr Fragen findest du im folgenden Text.


Chemotherapie – Eingriff in die Zellteilung

Die Chemotherapie ist eine medikamentöse Form der Krebsbehandlung. Hierbei werden bestimmte Medikamente, sogenannte Zytostatika eingesetzt, die in die Zellteilung eingreifen und so die Vermehrung von Krebszellen hemmen sollen.1,2 Es handelt sich hierbei um eine systemische Therapie, das heißt, die Medikamente verteilen sich über die Blutbahn im ganzen Körper.3 Zytostatika wirken besonders stark auf Zellen, die sich häufig und schnell teilen.1 Da Tumorzellen oft eine sehr hohe Teilungsrate aufweisen, sind sie auch besonders anfällig für die Wirkung der Zytostatika.1 Allerdings gibt es auch im gesunden menschlichen Organismus Zellsysteme, wie etwa das blutbildende Knochenmark, die Schleimhäute oder Haarwurzeln, die sich häufig teilen und beständig neue Zellen produzieren. Aufgrund der systemischen Verteilung der Medikamente werden auch sie durch die Wirkung der Chemotherapeutika beeinträchtigt und es kann zu Nebenwirkungen wie Blutarmut oder Haarausfall kommen.1,3 Dennoch ist die Verteilung im ganzen Körper oftmals gewünscht, denn dadurch kann sich die Therapie auch gegen größere Metastasen und sogar gegen einzelne, bereits verstreute Krebszellen richten.3

 

Chemotherapien- Auswirkung auf Eizellen und Spermienproduktion

Durch die systemische Verteilung gelangen die Chemotherapeutika auch in die weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane. Da sich die zahlreichen in der Krebstherapie eingesetzten Chemotherapien in ihrem Wirkmechanismus unterscheiden, sind auch ihre jeweiligen Nebenwirkungen und ihr Einfluss auf die Fruchtbarkeit unterschiedlich.1,4 So gibt es bestimmte Wirkstoffe oder Wirkstoffgruppen, die Eizellen und Follikel direkt schädigen und zu deren vermehrten Absterben führen.5,6 Hierzu zählen insbesondere Platinverbindungen und andere Alkylanzien, Taxane sowie einige Kombinations-Chemotherapien.5,7 Aber auch das Gewebe der Eierstöcke, die Gebärmutterschleimhaut und die Gefäße der Reproduktionsorgane können durch Zytostatika beeinträchtigt werden.5,7
Beim Mann haben fast alle Zytostatika eine negative Wirkung auf die Spermatogonien.5 Das sind Stammzellen im Hoden, die für die kontinuierliche Produktion von Spermien verantwortlich sind. Die Schädigung der Spermatogenese kann sowohl anhaltend als auch vorübergehend sein, abhängig davon, wie viele Spermatogonien die Chemotherapie unbeschadet überstehen. Insbesondere beim Einsatz von Alkylanzien kann die Erholung der Spermatogenese ausbleiben oder erst stark verzögert einsetzen.5,6
Darüber hinaus gibt es noch weitere Aspekte, die mitbestimmen können, wie stark eine Chemotherapie deinen Kinderwunsch tatsächlich beeinflusst. Hierzu zählen die Dauer der Behandlung, die Dosierung der Chemotherapie, eine mögliche Kombination mehrerer Medikamente, der Einsatz anderer Begleittherapien, dein Alter sowie die individuelle Veranlagung.5

Fertilitätsstörungen – Sind sie unausweichlich nach einer Chemotherapie?

Einschränkungen in der Fruchtbarkeit nach einer Chemotherapie müssen nicht zwangsweise auftreten.5,7 Sichere Anzeichen, die bereits im Vorfeld erkennen lassen, ob du von Fertilitätsstörungen betroffen sein wirst, gibt es leider nicht.7 Im Allgemeinen kann man aber sagen, dass bei Frauen mit zunehmendem Alter das Risiko für eine Unfruchtbarkeit nach einer Chemotherapie steigt.5-8 Dies liegt daran, dass mit zunehmendem Alter immer weniger Eizellen in den Eierstöcken vorhanden sind. Die sogenannte Eizellreserve nimmt ab. Wird durch eine Chemotherapie die Anzahl der Eizellen noch weiter verringert, kann eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege immer unwahrscheinlicher bis unmöglich werden.5,6
Doch selbst bei nahezu identischem Alter und sonstigen Therapieumständen sind die Auswirkungen einer Chemotherapie auf die Fruchtbarkeit von Frau zu Frau aufgrund von individueller Veranlagung unterschiedlich.5 Die Effekte einzelner Faktoren einer Therapie lassen sich also nicht einfach so addieren. Zwar können die behandelnden Ärzt:innen die möglichen Auswirkungen von etablierten Chemotherapien in Abhängigkeit vom Alter abschätzen, eine genaue Bestimmung des Risikos einer Unfruchtbarkeit ist allerdings trotzdem nicht möglich.5,8
Da beim Mann die Spermien ständig neu gebildet werden, gibt es hier keine “Reserve”, die abnehmen könnte. Entscheidend ist das Überleben der Spermatogonien im Hoden. Auch hier sind neben der Wahl der Zytostatika individuelle Faktoren entscheidend.5 In der Regel findet eine Erholung der Spermienproduktion in den ersten zwei Jahren nach Therapieende statt, aber auch längere anhaltende Zeiträume sind bekannt.5,7 Unter Umständen kann die Erholung der Spermatogene aber auch ausbleiben, was bis hin zur endgültigen Zeugungsunfähigkeit führen kann.5,8

Chemotherapie und Kinderwunsch – Optionen zum Fertilitätserhalt

Grundsätzlich kommen alle fertilitätsprotektiven Verfahren in Frage, die im Vorfeld einer Krebsbehandlung durchgeführt werden können. Möglicherweise kann auch eine besonders fertilitätsschonende Chemotherapie ausgewählt werden. Dies kann jedoch bei den meisten Krebserkrankungen nur in sehr geringem Maße berücksichtigt werden.8,9 In manchen Fällen können die Eierstöcke auch medikamentös “ruhiggestellt” werden, was zu einer geringeren Schädigung des Gewebes führen soll.8,9 Diese Methode wird insbesondere bei Brustkrebs angewendet und ihr Nutzen ist noch nicht vollständig belegt.5,9 Weiterhin ist auch das Einfrieren von befruchteten oder unbefruchteten Eierzellen oder Eierstockgewebe möglich.5,9 Männer können vor Therapiebeginn ein sogenanntes Spermadepot bei einer Samenbank einfrieren lassen.8,9


Ob fertilitätsprotektive Maßnahmen für dich in Frage kommen, und welche Option in deiner individuellen Situation für dich die richtige ist, findest du am besten im Gespräch mit deinen behandelnden Ärzt:innen heraus. Frage proaktiv nach, was es für Optionen gibt. Eventuell erhältst du auch eine Überweisung zu Fertilitätsärzt:innen oder einer Kinderwunschklinik. Hier wirst du bevorzugt (sehr schnell) einen Termin erhalten, um deine Fragen und Optionen zu klären. Auch unser Expert:innen-Team steht dir jederzeit zur Verfügung und unterstützt dich bei deinen individuellen Fragestellungen zu nächsten Schritten und Vorbereitungen der Beratungstermine.

 

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