“Ich bin durch die Chemo unglaublich vergesslich geworden. Ich habe Sachen verlegt. Und das Zurechtfinden im Alltag fällt mir schwer” Diese oder ähnliche Aussagen nutzen die Betroffenen selbst, um ihre Veränderungen bei der kognitiven Leistungsfähigkeit im Verlauf einer Krebstherapie zu beschreiben. Die Symptome sind auch unter dem Begriff Chemobrain bekannt und beschreiben eine Reihe von Veränderungen, die sich allesamt mindernd auf die kognitiven Fähigkeiten auswirken. Die Ausprägung und Schwere der kognitiven Symptome ist subjektiv und kann sehr unterschiedlich sein. Medizinisch kann das Chemobrain als milde kognitive Beeinträchtigung eingeordnet werden und als diese auch gezielt behandelt werden.

Kurzinformation
Bei dem sogenannten Chemobrain handelt es sich um einen Symptomkomplex, der sich durch unterschiedliche Erscheinungsformen im Bereich Lernfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnis sowie die Ausführung von komplexen Handlungen bemerkbar macht. Die Symptome werden von Betroffenen verschieden wahrgenommen und können die Lebensqualität stark einschränken. Sollten dir Veränderungen bei deiner Denkleistung oder Konzentration aufgefallen sein, schreib alles auf und sprich das bei deinem nächsten Arztbesuch an. Wenn du dir unsicher bist, kann meist auch ein objektiver Blick von außen helfen. Sprich deshalb, wenn es dir nicht unangenehm ist, nahestehende Personen an, wie diese die aktuelle Situation wahrnehmen und beurteilen. So kannst du dein Umfeld auf potenzielle Veränderungen sensibilisieren und ihr könnt euch auch gleich unterstützende Maßnahmen überlegen.

Was sind die ersten Anzeichen?

Erste Anzeichen des Symptomkomplexes, der als Chemobrain oder auch als Nebel im Kopf beschrieben wird, können neben Wortfindungsstörungen und Konzentrationsproblemen auch geringere Belastbarkeit oder innere Unruhe sein1.

Dabei ist es keinesfalls einfach erste Anzeichen auch als solche zu erkennen. Jeder Mensch hat unterschiedliche Stärken und ist unterschiedlich trainiert. Dies gilt auch für die kognitiven Fähigkeiten und muss bei der Betrachtung von potenziellen Symptomen immer berücksichtigt werden. Werte, erhoben durch kognitive Tests, sind daher nur bedingt aussagekräftig, wenn es keinen Ausgangswert zum Vergleich gibt. Auch sollte bei der Betrachtung der geistigen Leistungsfähigkeit immer die Tagesform betrachtet werden. Diese kann von vielen Faktoren wie

  • Schlafqualität
  • Tageszeit
  • Ablenkung von außen
  • Stress
  • psychische Belastung
  • Nährstoffmangel

abhängen2,3.

Auch können außergewöhnliche Situationen oder Belastungen, die posttraumatischen Stress auslösen können, unter normalen Bedingungen dazu führen, dass man Dinge vergisst und nicht die gewohnte Konzentrationsfähigkeit hat.

Was sind die häufigsten Symptome?

Veränderungen in der kognitiven Leistungsfähigkeit zeigen sich in erster Linie durch4, 5, 6

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Gedächtnisstörungen
  • Probleme beim Erlernen neuer Dinge
  • Wortfindungsstörungen
  • Probleme in der Bewältigung komplexer Aufgaben

Alle diese Punkte zusammen versetzen das Bewusstsein in den Zustand, dass es sich anfühlt als wäre Nebel im Kopf. Dabei scheint es nicht eine einzige spezifische Ursache für diese Symptome zu geben. Ein besseres Verständnis für mögliche Auslöser, ist Gegenstand der Forschung.2 Leidest du aktuell unter einem oder mehreren dieser genannten Symptome bist du keinesfalls allein. Eine aktuelle Zusammenfassung aller verfügbaren Daten zeigt, dass etwa 75% der Krebserkrankten eine Episode der kognitiven Beeinträchtigung erfahren.4 Ob tatsächlich eine milde kognitive Beeinträchtigung vorliegt, sollte immer ärztlich abgeklärt werden.

Chemobrain – kein Dauerzustand aber oft präsent

Der Begriff Chemobrain umfasst eine Reihe unspezifischer neurologischer Symptome. Dieser Symptomkomplex wird in der Medizin psychologisch als eine leichte kognitive Beeinträchtigung [engl. mild cognitive impairment] eingeordnet 4, 5 und kann durch viele pathologische Umstände ausgelöst sein und kommt im Verlauf des Älter werden häufiger vor7, 8. Egal welche Ursache für eine milde kognitive Einschränkung zu Grunde liegt, die Auswirkungen, die damit einhergehen sind immer dieselben.

Dabei kommt es zu Einschränkungen in der Aufmerksamkeit, der Gedächtnisleistung sowie in der Durchführung komplexer Handlungen und Konzentrationsproblemen9. Es macht zum Beispiel Mühe sich auf das Lesen eines Buches zu konzentrieren und dessen Inhalt zu erfassen. Teilweise fällt es Betroffenen schwer Gesprächen zu folgen4,5,6,8. Die Schwere dieser Symptome kann unterschiedlich stark belastend sein und spiegelt auch immer eine subjektiv wahrgenommene Veränderung wider. Je nach aktueller Tagesform schwankt die Stärke der Symptome mitunter sehr. An einem Tag, an dem du sowieso schon unter Stress stehst, sei es aus persönlichen oder beruflichen Gründen, können die Symptome verstärkt auftreten. Auch eine weitere Chemotherapie oder andere Behandlung kann Symptome, die vielleicht schon gut gehandelt werden konnten, verstärken10. Sorge daher am besten in deinem Umfeld dafür, dass dich deine Familie/Freunde verstehen und auch wissen wie sie dich gegeben Falls unterstützen können, wenn einmal Entlastung nötig wäre.

Wie wichtig es ist, diese subjektiv empfundenen Einschränkungen systematisch im Rahmen einer onkologischen Behandlung zu therapieren, zeigt ein aktueller Übersichtsartikel der Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie e. V. 11 Der Artikel beleuchtet die Auswirkung der kognitiven Einschränkung auf den sozialen und beruflichen Alltag und gibt überdies wertvolle Hinweise dazu, wie die Situation verbessert werden könnte.

Weiterführende Informationen

Hier findest du Empfehlungen, die dabei helfen können, den Umgang mit den Symptomen zu erleichtern Krebstherapie und dann? Tipps um den Alltag erfolgreich zu organisieren und Gedächtnisschwäche nach Chemotherapie – Was kann ich tun sowie weitere Informationen rund um das Thema Chemobrain – oder woher kommt der Nebel im Kopf.

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Quellen

  1. Halle C. F. Moore. An Overview of Chemotherapy-Related Cognitive Dysfunction, or ‘Chemobrain’September 15, 2014, MDOncology, Oncology Vol 28 No 9, Volume 28, Issue 9.
  2. Ahles, T. A., & Hurria, A. (2018). New Challenges in Psycho‐Oncology Research IV: Cognition and cancer: Conceptual and methodological issues and future directions [Editorial]. Psycho-Oncology, 27(1), 3–9. https://doi.org/10.1002/pon.4564.
  3. Fernando Gómez-Pinilla, Brain foods: the effects of nutrients on brain function , Nat Rev Neurosci. 2008 Jul;9(7):568-78. doi: 10.1038/nrn2421.
  4. Stiftung Deutsche Leukämie-& Lymphom-Hilfe. Chemohirn/Krisenhirn. Konzentrationsschwäche und Gedächtnisstörung bei Krebs (2014) https://www.lymphome.ch/lymphome-wAssets/docs/Infomaterial-Broschueren-deutsch/Chemohirn_Krisenhirn-Konzentrationsschwaeche-u.-Gedaechtnisstoerung-nach-ChemDLH.pdf, abgerufen am 27.07.2022.
  5. Jungmayr, Dr. Petra. Kognitive Beeinträchtigung nach Chemotherapie. Neurotoxizität ist Wirkstoff-abhängig (2016) https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2016/daz-8-2016/kognitive-beeintraechtigung-nach-chemotherapie Kognitive Beeinträchtigung nach Chemotherapie, abgerufen am 27.07.2022.
  6. Michelle C. Janelsinsa, SadhnaKohlib, Supriya G, .Mohilec, Kenneth Usukia, Tim A. Ahlesd Gary R. .Morrowa, An update on cancer- and chemotherapy-related cognitive dysfunction: current status. Semin Oncol 2011; 38: 431–438. nihms-290572.pdf
  7. Etgen, Thorleif; Sander, Dirk; Bickel, Horst; Förstl, Hans. Leichte kognitive Störung und Demenz. Der Stellenwert modifizierbarer Risikofaktoren (2011) https://www.aerzteblatt.de/archiv/111707/Leichte-kognitive-Stoerung-und-Demenz Leichte kognitive Störung und Demenz Der Stellenwert modifizierbarer Risikofaktoren, abgerufen am 27.07.2022.
  8. Yana Kahl. Was ist die leichte kognitive Beeinträchtigung? So erkennt man sie (2016) https://blog.cognifit.com/de/was-ist-die-leichte-kognitive-beeintraechtigung-lkb/, abgerufen am 27.07.2022.
  9. Tomohiro Matsuda, Tomoko Takayama, Manabu Tashiro, Yu Nakamura, Yasuo Ohashi, Kojiro Shimozuma, Mild cognitive impairment after adjuvant chemotherapy in breast cancer patients–evaluation of appropriate research design and methodology to measure symptomsTomohiro Matsuda et.al., Breast Cancer. 2005;12(4):279-87. doi: 10.2325/jbcs.12.279.
  10. Wendy Baer, Chemobrain: An Opportunity in Cancer Survivorship to Enhance Patient Wellness, Journal of Oncology Practice 2017 13:12, 794-796.
  11. Treanor CJ, McMenamin UC, O’Neill RF, Cardwell CR, Clarke MJ, Cantwell MM, Donnelly M. Interventionen bei kognitiven Störungen aufgrund von nicht lokalisierten Krebstherapien, wie Chemotherapie oder Hormontherapie (2016) cochrane library https://www.aerztliches-journal.de/medizin/onkologie/mammakarzinom/das-leben-soll-trotz-krebs-moeglichst-gut-weiter-gehen/e8ca60d39540560e6e2a3fa2a528aaec/, abgerufen am 27.07.2022.

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